• Das Sperrgebiet rund um das Kernkraftwerk von Tschernobyl ist auch 32 Jahre nach dem Unglück nicht nur unter Touristen immer beliebter. Selbsternannte „Stalker“ schleusen sich immer öfter ein.

    BildDie eigenwillige Bezeichnung „Stalker“ stammt höchstwahrscheinlich aus der Reihe Survival-Computergames „S.T.A.L.K.E.R.“, für die ein Science-Fiction-Roman, der in der verbotenen Zone spielt, die Vorlage gab. Die „Stalker“ sind zumeist junge Männer unter 30 Jahren, die sich in eigenen Gruppen organisieren und sich über Social Networks untereinander über ihre Erfahrungen austauschen. Sie fühlen sich von der besonderen Endzeit-Atmosphäre des Gebiets magisch angezogen und gehen dort auf Survival-Touren.

    Unerkannt wandern durch die Geisterstadt Pripjat

    Viele von ihnen sind mittlerweile sogar regelmäßig in dem 30 Quadratkilometer großen Areal um den Reaktorblock 4 herum, der sogenannten „Zone“, unterwegs. Um Polizeikontrollen zu entgehen, führt der Weg dorthin 60 Kilometer durch den Wald – zumeist nachts, bei Temperaturen von bis zu minus 5 Grad, umgeben von Wildschweinen, Bären und Wölfen. Es ist genau dieser Nervenkitzel, der für die Männer den gewissen Reiz ausmacht.
    Eine Reise in die Vergangenheit

    Vor dem Nuklear-Unglück am 26. April im Jahre 1986, war Pripjat noch ein Ort mit ca. 50.000 Einwohnern, unweit des zerstörten Reaktors. Die Bewohner ließen alle Besitztümer zurück, da sie im Glauben gelassen wurden, nach der Evakuierung wieder nach Hause zurückkehren zu können. So blieb die Zeit im Ort stehen. Auch wenn vieles über die Jahre zerstört oder gestohlen wurde, erzählen die übriggebliebenen Habseligkeiten ihre eigene Geschichte der ehemaligen Bewohner und bieten die perfekte Spielwiese für die jungen „Stalker“.

    In Pripjat bleiben sie mitunter bis zu einigen Wochen und leben dort in den verlassenen, teils selbst dekorierten Wohnungen. Neben Survival-Safari-Touren zu den zahlreichen verlassenen Stätten in und rund um das Gebiet, werden alte sowjetische Zeitschriften und Bücher gelesen oder Partys mit Blick auf den Sonnenuntergang über Tschernobyl´s Kernkraftwerk organisiert.

    Nervenkitzel mit und ohne Dosimeter

    Doch müssen sie unentdeckt bleiben, denn „die Zone“ wird streng bewacht, um zu verhindern, dass kontaminierte Gegenstände das Gebiet verlassen. Bei ihrem ständigen Versteckspiel tragen die „Stalker“ Strahlenmessgeräte bei sich, auch wenn sich nur die wenigsten tatsächlich Sorgen um Strahlung machen. Weitaus gefährlicher ist das Einatmen der kontaminierten Luft und das Trinken von kontaminiertem Wasser, denn die jungen Männer tragen nicht einmal Atemschutzmasken und ignorieren größtenteils die möglichen Folgen der Radioaktivität.

    Ohnehin wichtiger ist ihnen der ganz eigene Kick des Survival-Adventures in dieser speziellen Endzeit-Kulisse und das Gefühl dabei, zu den letzten Überlebenden in einer ansonsten fast menschenleeren Welt, in völliger Anarchie, zu gehören.

    2011 öffnete die ukrainische Regierung das Gebiet auch für Touristen. Seither sind die Stalker nicht mehr ganz allein. Im Gegensatz zu den Touristen, die ihren Müll oftmals liegenlassen und ihre Namen an die Wände schreiben, bewegen sich die „Stalker“, wie sie behaupten, behutsamer. Sie möchten „die Zone“ so bewahren, wie sie ist.

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    Die selbsternannten „Stalker“ von Tschernobyl

    auf Werben online publiziert am 11. Mai 2018 in der Rubrik Presse - News
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