• Interview mit Volker Klein, Leitender Schuldirektor & Schulträger der HEBO-Privatschule in Bonn

    BildFrage: Das NRW-Landeskabinett hat beschlossen, den Schulbetrieb in Nordrhein-Westfalen schrittweise wiederaufzunehmen. Am 20. April 2020 öffneten zunächst die weiterführenden Schulen für Schulleitungen und Lehrkräfte, um den Schulbetrieb vorzubereiten. Ab dem 23. April 2020 können Schülerinnen und Schüler wieder in die Schulen, die in diesem Schuljahr Abschlüsse machen. Was halten Sie davon?

    Volker Klein: Wir begrüßen, dass Schülerinnen und Schülern, die in Kürze Abschlussprüfungen haben, die Möglichkeit haben am Präsenzunterricht teilzunehmen. Die Lernmöglichkeiten sind online zwar sehr vielfältig, der Präsenzunterricht ist aber durch nichts zu ersetzen. Er ist immer das flexiblere und qualitativ hochwertigere Angebot. Hier können wir viel individueller auf die Schülerinnen und Schüler eingehen.

    Aktuell haben wir die Herausforderung, alle Vorgaben der Landesregierung in unserer Schule vollumfänglich umzusetzen. Immerhin informierte NRW über die wesentlichen Rahmenbedingungen erst vor ein paar Tagen. Dank unseres tollen Kollegiums schaffen wir aber alles rechtzeitig.

    Frage: Es wird außerdem empfohlen, in den Klassenräumen den Mindestabstand von 1,5 Meter zwischen den Schülern einzuhalten und Gruppengrößen von maximal 15 Schülerinnen und Schülern einzurichten. Ist das räumlich und personell überhaupt darstellbar?

    Volker Klein: In unserer Privatschule sind die Klassen- und Kursstärken glücklicherweise kein Problem, da wir ohnehin im Regelbetrieb eine durchschnittliche Schülerzahl von knapp 13 Schülern je Klasse haben. Unsere Räumlichkeiten lassen überdies auch den nötigen Abstand zu.

    Viel spannender ist derzeit, die Frage, wie gestalten wir die Übergangszeiten: also Schulbeginn, Schul-Ende und Pausen. Zur Lösung des Pausendilemmas haben wir unsere Stundenpläne komplett umgekrempelt, sodass in der ersten Phase immer nur eine Klasse Pause hat. Was den Schulbeginn und das Schul-Ende anbetrifft, haben wir die 1,5 Meter-Abstandsregel zur Pflicht gemacht und bitten die Schülerinnen und Schüler das Schulgelände nach Unterrichtsschluss möglichst schnell zu verlassen.

    Frage: Es gibt weitreichende Hygiene-Vorschriften, die an Schulen einzuhalten sind. Können Sie das in der Kürze der Zeit umsetzen?

    Volker Klein: Wir haben den Vorteil, dass wir die Sicherung der Hygiene selbst in die Hand nehmen können und nicht von zentral organisierten Maßnahmen abhängig sind. So haben wir eine Reihe von Handdesinfektionsgeräten installiert, wir reinigen mehrmals täglich Türklinken, Handläufe, Lichtschalter und Arbeitsflächen und unsere Lehrer unterrichten hinter Plexiglasscheiben. Dies sind nur ein paar ausgesuchte Beispiele unserer weitreichenden Vorkehrungen. An großen Schulen ist die Organisation solcher Maßnahmen sicher ungleich schwieriger.

    Frage: Das NRW-Schulministerium hat herausgegeben, dass während der Zeit ohne Präsenzunterricht die Aufgaben keiner Leistungskontrolle oder -bewertung unterliegen. Nach Wiederbeginn des herkömmlichen Unterrichts sollen aber die schulischen Leistungen wieder bewertet werden. Wie beurteilen Sie diese Maßgabe?

    Volker Klein: Grundsätzlich scheinen Noten in der aktuellen Situation eher zweitrangig. Allerdings muss man sich auch die Situation der Schülerinnen und Schüler klarmachen. Derzeit gehe ich davon aus, dass die Versetzungen auf jeden Fall stattfinden und die Leistungen aus dem Distanzunterricht keinerlei Bewertung erfahren.

    Frage: Wo kommt die Motivation zu guten Noten dann her?

    Volker Klein: Die Motivation für gute Leistungen entsteht primär intrinsisch. Für die allermeisten Schülerinnen und Schüler ist das kein Problem, solange die aktuelle Situation nicht zu lange andauert. Aber, jeder kennt das von sich selbst, wenn der Ansporn nicht mehr stimmt, lässt irgendwann auch die Leistung nach. Selbst hochmotivierte Schülerinnen und Schüler fragen sich irgendwann, wozu soll ich mich gut vorbereiten, wenn es in der Klassenarbeit eh‘ nicht zählt.

    Insofern fände ich es gut, wenn die Leistungen der Schüler bewertet werden, auch um die Leistungen derjenigen zu honorieren, die weiterhin mit vollem Elan zur Sache gehen.

    Frage: Warum wurde die Vorgabe, keine Noten zu erteilen, dann gegeben?

    Volker Klein: Vermutlich wurde diese Regelung auch deshalb getroffen, da es keine einheitlichen Vorgaben zum Distanzunterricht gibt. Unsere Schüler erhalten seit der Schulschließung Fernunterricht nach dem regulären Stundenplan. Sie haben einerseits die Verpflichtung, die täglich gestellten Hausaufgaben abzuarbeiten. Andererseits erhalten Sie direkte Unterstützung unserer Fachlehrer per Telefon, WhatsApp, E-Mail oder in der Schul-Cloud. Diese individuelle Betreuung ist gewiss nicht an allen Schulen möglich. Deshalb wäre dort eine Benotung kaum möglich und auch nicht fair.

    Frage: Der Deutsche Lehrerverband rät Schülern mit schlechten Leistungen, wegen der Corona-Krise lieber freiwillig die Klasse zu wiederholen. Ist das ein guter Rat?

    Volker Klein: Pauschal eine Wiederholung anzuraten, ist zu kurz gegriffen. Schließlich geht es immer um Einzelfälle. Viel wichtiger wäre es, aufzuzeigen, wie Schülerinnen und Schüler entstandene Defizite aufholen können. Wenn das nicht geht, ist eine Wiederholung eine Option.

    Frage: Gibt es auch andere Wege? Was kann man stattdessen tun?

    Volker Klein: Wir sind der Überzeugung, dass es quasi jedem Schüler möglich ist, seine schulischen Herausforderungen zu meistern. Mit intensiver und individueller Betreuung schafft jeder einen Abschluss. Das ist unsere Maxime. So sind Fördereinheiten und Zusatzunterricht für fachlich schwächere Schüler bei uns fest verankert. Nach Bedarf können wir unsere Unterstützung skalieren – von leicht bis sehr intensiv. Das kann sogar in Einzelunterricht fußen.

    Darüber hinaus bieten wir auch in „normalen“ Zeiten psychologisch-pädagogische Beratung für viele unserer Schülerinnen und Schüler an. Häufig ist das wichtig und notwendig, um mithalten zu können.

    Frage: Kann das ein Lehrer alleine leisten?

    Volker Klein: Sicher nicht. Am HEBO arbeiten 15 Personen, davon zwei Schulpsychologinnen, ausschließlich an der Organisation und flankierenden Betreuung der 350 Schüler ohne im Unterricht gebunden zu sein.

    Im staatlichen System ist das ohne weiteres nicht möglich. Bedenkt man die schwierige Situation vieler Eltern in der aktuellen Situation, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Schülerinnen und Schüler „auf der Strecke“ bleiben. Das zu verhindern, ist unser aller Auftrag.

    Frage: Sie sind Schuldirektor der staatlich anerkannten Ergänzungsschule HEBO. Zur Förderung Ihrer Schülerinnen und Schüler gehen Sie bereits seit längerem besondere Wege. Welche sind diese?

    Volker Klein: Im pädagogischen Kontext wird gerne von individueller Unterstützung gesprochen, da Schülerinnen und Schüler – grade wenn es nicht „nach Plan“ läuft – diese benötigen. In der Praxis ist dies in vielen Fällen aber leider nur Wunschdenken. Das Mengen-Verhältnis Lehrer/Unterstützer zu Schüler ist an allgemeine Schulen zu gering für ein echtes auf die Person zugeschnittenes Angebot.

    Frage: Was ist anders an ihrer Privatschule?

    Volker Klein: Was uns derzeit zugutekommt ist, dass wir sehr nah an unseren Schülern dran sind, viel über Ihre Fähigkeiten, Potentiale, Ängste, Nöte und Sorgen wissen. So können wir sehr persönlich fördern. Letztlich ist uns dies nur möglich, da wir viele Menschen für kleine Lerngruppen einsetzen und so die notwendige Zeit zur Unterstützung haben.

    Frage: Welche Rolle spielen Lehrerpersönlichkeiten?

    Volker Klein: Am Ende macht der einzelne Lehrer und die Fachkraft den Unterschied. Wir sind stolz und dankbar, dass wir im HEBO hochqualifizierte und hochmotivierte Pädagogen haben, die alles zum Erfolg unserer Schüler tun – nicht nur in Krisenzeiten.

    Frage: Was kann unser Schulsystem aus der Corona-Krise Schule lernen? Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

    Volker Klein: Die Defizite unseres Schulsystems treten nun offenkundig zutage, lassen sich aber nicht über Nacht abstellen. Viele Entwicklung der letzten Jahrzehnte fußten auf richtigen Visionen, wie z.B. dem Thema Inklusion, scheiterten jedoch an der mangelhaften Ausgestaltung und Umsetzung.

    Bemühungen, Schulen mehr Autonomie in der Ausgestaltung ihrer Schwerpunkte zu gewähren, setzen immer voraus, dass auch die benötigten Mittel zu Verfügung stehen. Das ist meistens nicht der Fall. Machen wir uns nichts vor. Hauptthema ist der seit längerer Zeit bestehende Personalmangel im Schulwesen. Das muss dringend und nachhaltig angegangen werden!

    Mehr unter: https://hebo-schule.de

    Verantwortlicher für diese Pressemitteilung:

    HEBO-Privatschule
    Herr Volker Klein
    Am Büchel 100
    53173 Bonn
    Deutschland

    fon ..: 0228 748990
    web ..: https://hebo-schule.de
    email : info@hebo-schule.de

    Die HEBO-Privatschule ist die größte private staatlich anerkannte allgemeinbildende Ergänzungsschule in Nordrhein-Westfalen. Seit 40 Jahren verfolgt die Bonner Schule das pädagogische Konzept der individuellen Schüler-Betreuung für eine erfolgreiche und positive Schulerfahrung. Es können die Abschlüsse Hauptschule, mittlere Reife und Abitur gemacht werden. Das HEBO hat rund 350 Schüler und 50 Lehrkräfte. Das Kollegium und die Schülerschaft kommen aus insgesamt 23 Ländern weltweit. Im Schnitt gehen 13 Schülerinnen und Schüler in eine Klasse. Der Anteil von Kindern mit ausländischer Herkunft liegt bei ca. 20 Prozent.
    Internet: https://hebo-schule.de

    Pressekontakt:

    Hanfeld PR
    Herr Ulrich Hanfeld
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    53179 Bonn

    fon ..: 01751819772
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    Corona-Krise: Belastungstest für deutsche Schulen?

    auf Werben online publiziert am 21. April 2020 in der Rubrik Presse - News
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